Aussichtspause auf dem Dicken Berg

So schön klingt Thüringen

Mit Anikas Cousins waren wir 2013 bereits in der DAV-Hütte „Am Dicken Berg“ im Thüringer Wald. Sie liegt oberhalb von Steinbach-Hallenberg, in der Nähe von Zella-Mehlis und Oberhof. Nun machen wir hier für fünf Tage halt. Opa Winfried ist spontan zu einem Besuch zu überreden und macht mit Jakob Ausflüge ins Aquarium und auf die Wettkampfstrecke der Langläufer und Biathleten. Winfried fährt auf Skikes und Jakob auf seinem Velo. Wer ist wohl schneller? Abends sitzen wir gemütlich draussen und grillen. Wir vergleichen verschiedene Bratwurstsorten, denn Winfried will eine Grossbestellung für Thüringer Bratwurst-Fans in NRW aufgeben.

Wir können endlich mal wieder zu zweit klettern. Zwei Tage klettern wir am Koppenstein, der mit seiner Felsqualität deutlich hervorsteht. Teilweise gibt es riesige Henkel und Löcher. Dort wurde kürzlich viel gerodet und nun kommt von allen Seiten schön viel Licht an den Fels, was hoffentlich das Moos noch mehr vertreiben wird. Wir klettern zunächst die Trilogie der klassischen Sternchen-7er der Talwand (Gelbe Platte, Moosbacher Weg und Zella Melliser Weg, alle jeweils 7-) und küren den Moosbacher zu unserem Favoriten. Später klettern wir zwei einfache selbst abzusichernde Wege an der Bergseite sowie die Route Lot (7) mit einem fiesen Bauch. Einen weiteren Tag widmen wir der Begehung aller vier Kletterfelsen am Grossen Hermannsberg. Wir müssen viel Zeit investieren, die Felsen überhaupt zu finden, denn die Wegbeschreibung im Kletterführer ist alt und trifft das derzeitige Erscheinungsbild des Waldes und Wegenetzes nicht ganz. Zudem scheinen hier nicht viele Leute zu klettern, denn es sind kaum Trampelpfade zu den Felsen auszumachen. So schlagen wir uns eben einen Tag durchs Gebüsch und kommen auf relativ wenige Klettermeter, haben aber am Ende das Ziel erreicht – wenn auch nicht immer im sportlich besten aller Stile (grrr, Top-Rope).

Die Kletterei im Thüringer Wald ist etwas eigen. Das Gestein ist Porphyr, der sich trotz der grosskristallinen Oberfläche irgendwie glatt anfasst und teilweise hohl klingt. Der Kletterführer beschreibt dies humorvoll als „singen“. Kleine Leisten gibt es selten, dafür runde Kanten und Aufleger, die immer etwas Körperspannung abverlangen. Je nach Standort der Felsen und Kletterfrequenz sind einige Routen schön sauber, andere moosig und mit Flechten bedeckt. Die Hakenabstände sind hin und wieder für mutige Menschen gemacht und viele Routen sind selbst abzusichern. Aber es befinden sich auch immer wieder einige Sportkletterperlen darunter. Im „SteinReich“ Kletterführer von Geoquest gibt es zu fast jeder Route einen Kommentar und somit weiss man eigentlich ganz gut, worauf man sich einlässt. In einer tollen Landschaft gelegen sind die Felsen des Thüringer Walds allemal.

 

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